BORN IN FLAMES

MQ Hof 8

Eintritt frei

USA 1983, 80 min., Spielfilm, OF Engl.
Regie: Lizzie Borden
Mit Honey, Adele Bertei, Jean Satterfield, Florynce Kennedy, Kathryn Bigelow u.a.

Regie & Buch & Schnitt & Produktion: Lizzie Borden
Kamera: Ed Bowes, Al Santana
Musik: Ibis, Red Krayola
Schnitt: Lizzi Borden

New York, in der nahen Zukunft, zehn Jahre nach dem sozialdemokratischen Befreiungskrieg. Als Adelaide Norris, Schwarze Revolutionärin und Gründerin der Women's Army in Polizeigewahrsam stirbt, entsteht eine intersektionale Allianz an Frauen um das System auseinanderzunehmen. Eine Revolution nach der Revolution um gegen schreiende Ungleichheiten, (Hetero)-Sexismen und Rassismen vorzugehen. Zwischen fake Talkshows, Nachrichtensendungen, dokumentarischem Material und Überwachungsvideos entsteht eine dringliche, revolutionäre, futuristische Vision einer post-revolutionären USA. Ein Guerilla Film der Organisierung und Mobilisierung im Untergrund dokumentiert und das Spekulative zur radikalen politischen Waffe macht.

Lizzie Borden wurde 1958 in Detroit, USA geboren. Nach ihrem Kunststudium am Wellesley Collage in Massachusetts zog sie nach New York und wurde mit den Filmen BORN IN FLAMES und WORKING GIRLS bekannt. Hauptthema in ihren Arbeiten ist unter anderem die Komplexität weiblicher Sexualität.

 

Kuratiert von Andrea Maria Popelka und Djamila Grandits

 

Andrea Maria Popelka und Djamila Grandits sind Wien und Berlin basierte Freund_innen und Kura-tor_innen. Für die diesjährige Ausgabe von frameout open air cinema haben sie eine Reihe bestehend aus drei Filmen um revolutionäre Kämpfe, spekulative Methoden und fabulöse Protagonist_innen versammelt.

 

 

"But you must feel something with your body."
—"It's intoxicating."


In Funeral Parade of Roses (1969) sehen wir eine experimentelle Sequenz, die sich nach ihrem Ende als das Werk von Eddies Bekanntem Guevara herausstellt. Plötzlich geht das Licht an und die Gruppe von Freund*innen räkelt sich verschlafen vor einer Filmleinwand. Unter Kichern kommentieren sie, dass ihre Ohren brummen und der Film wohl "underground" sei. Sie unterhalten sich darüber, ob sie etwas mit den Körpern etwas vom Rausch des Films gefühlt hätten, ob er mit echten Drogen mithalten könne, oder wo die Grenze zwischen Film und Droge verlaufe. Die Schauspieler*innen werden über ihre Erfahrungen interviewt, sprechen von gelähmten Sinnen, dass sie sich auf Droge selbst nicht mehr sehen könnten, nicht mehr fühlen würden, dass sie existieren. Kann Film Rauschmittel sein, intoxicating?

An einer anderen Stelle im Film stolpert Eddie über einen Demonstranten, der vor der Polizei flüchtet. Als sie ihn verarztet, fragt sie, warum er und seine Kameraden in ihrem Kampf Gewalt einsetzen. Er antwortet: "What matters is not admission of violence, but progressiveness of your violence and whether the violence will stop or will last forever. In order to decide don't judge crimes by morality, which people call pure morality by mistake. Place crimes in logic and dynamics and in history, where they belong." In Criminal Queers plädiert Lucy: "All oppressed people have the right to violence and the right to defend themselves against epistemic harm. Once there were no prisons and I assure you that, through our collective action and abolitionist dreams, that day will come again." Die Filme fragen, wann wir von Gewalt sprechen und was legitime Gegenwehr ist. Auch diese Gegenwehr ist ansteckend, rauschartig, voller Spiel und sozialem Experiment.

Die Darsteller*innen aller drei Filme sind fabulous – schön in ihrer Stärke, ihrer Besonderheit, kollektiven Autonomie, ihrem offenen Humor. Ihr struggle ist genießerisch und ernst zugleich. Ein Kampf, der mit spekulativen Mitteln agiert, mit dem Fabulieren und Geschichten ausdenken. Sie materialisieren das notwendige andere Ende: Die Revolution, zum Beispiel, aber dann eben auch die Revolution nach der Revolution. Soziale Veränderung hat keinen Endpunkt, sie fängt immer wieder von neuem an.

Die Filme nehmen sich auch selbst auf die Schippe. Das macht sie nicht unbedingt schlauer als die Zuschauer*innen, sondern eher anti-autoritär. Es sind Filme, die man vielleicht so oder etwas anders selbst hätte machen können, bei denen die Darsteller*innen und Interviewten nahe sind, ohne fetischisiert zu werden. Befreiung ist hier die Befreiung aller, auch des Publikums und der Menschen und Wesen in seiner Welt. Nachdem eine von Lucy's Schwestern sie nach ihrem Ausbruch trifft und ruft: "Girl, I heard that you are out!", erwidert Lucy: "Now we need to get the rest!" Und das tun sie dann auch.


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fabulous (adj.)

early 15c., "mythical, legendary," from Latin fabulosus "celebrated in fable;" also "rich in myths," from fabula "story, tale" (see fable (n.)). Meaning "pertaining to fable" if from 1550s. Sense of "incredible" first recorded c. 1600, hence "enormous, immense, amazing," which was trivialised by 1950s to "marvelous, terrific." Slang shortening fab first recorded 1957; popularized in reference to The Beatles, c. 1963.